Deo et homines…

Mein Fotoprojekt über Religionen gründet auf einem interreligiösen Austausch und ist das Produkt der Angst einiger Menschen vor dem Islam. Der Islam steht hierbei nicht im Mittelpunkt, sondern ist Teil von dem religiösen Reichtum der uns, besonders in Berlin umgibt. Allerdings begann ich erst mit diesem Projekt mit dem Aufkommen von Pegida & Co. Die sinnlose Angst und der blinde Hass auf Muslime und die gesamte Religion des Islam haben mich zum „NACHdenken“ angeregt, denn letztendlich wird an ein und den selben „GOTT“/Adonai/ JHWH geglaubt, denn es gibt nur einen Gott mit unterschiedlichen Namen. So wird es gepredigt. Ausgenommen ist davon natürlich der Buddhismus und der Hinduismus.

Mit diesen Gedanken bin ich also auf die Suche nach religiösen Häusern gegangen, um nach den Besonderheiten und den Gemeinsamkeiten zu suchen.

Der Anfang gestaltete sich schwierig für mich als Atheistin, da ich selbst nicht in eine religiöse Gemeinschaft eingebunden bin. Ich bin dann zuerst in ein mir vom Glauben her bekanntes Gotteshaus gegangen, mit einem Freund an der Seite. Hier öffnete sich mir eine überraschend offene Gemeinde, die einen spannenden fotografischen Einblick in ihre Form der Religion ermöglichte. Dort war es kein Problem zu fotografieren. Ich hatte Glück, denn es war gerade das griechisch-orthodoxe Osterfest, d. h. somit war es mir möglich sehr verdichtete liturgische Aufnahmen zu machen. Das Gotteshaus war zu diesem Zeitpunkt voller Menschen und die ganze Gemeinde kam zusammen. Die ganze Zeremonie war einer der beeindruckendsten Momente, die ich je im religiösen Kontext hatte. Somit war es ein leichter Einstieg in die Thematik.)

Als nächste Gotteshäuser kamen nun eine Moschee, eine Synagoge, ein buddhistischer und hinduistischer Tempel, sowie evangelische und katholische Häuser. Ich wollte einerseits nicht auf irgendeine Weise missioniert werden, andererseits waren gerade die Gemüter sehr aufgeheizt, sowohl in der muslimischen als auch in der jüdischen Gemeinde. Ich wusste nicht genau wie ich als rothaarige Frau an die Menschen herantreten kann. Das ganze hört sich merkwürdig an, aber meine Erfahrungen haben mir dieses mulmige Gefühl gebracht. Ich war mir unsicher in wieweit ich mich bei einigen Häusern verdecken muss. Mir ist schon klar, dass ich nicht im super Minirock und weit ausgeschnittenem Dekolleté dort aufkreuzen kann, aber Kopf bedecken, ja oder nein?

Ich nahm nun meinen ganzen Mut zusammen und habe mit einigen Menschen gesprochen. Viele, wenn nicht sogar alle waren sehr offen und fanden meine Idee sehr spannend. So machte ich mich dann auf den Weg und fand eine Moschee. Ich wurde in dieser Moschee mit so viel Respekt und Herzlichkeit empfangen, welche ich von manchen anderen Menschen nicht bekommen habe.

Weiter auf der Suche nach einer Synagoge, fand ich nun auch diese. Und auch dort wurde ich offen empfangen. Es gab zwar ein paar mehr Regeln, bezüglich des Standortes und der Kleidung, aber ich sah dieses nicht so sehr als Regel, sondern eher als eine Selbstverständlichkeit für mich den betenden Menschen gegenüber, als Respektsbekundung.

Für mich hat sich herausgestellt, dass es egal ist welcher Religion jemand angehört bzw. welchen Glauben jemand hat, es gibt häufig mehr Gemeinsamkeiten.

„Deo et homines“ ist noch immer im Prozess. Geplant ist ein Bildband, mit Erfahrungstexten von mir und wenn es möglich ist, einige Texte der Religionsvertreter.

Meine Hoffnung und mein Wunsch ist, durch dieses Projekt einige Menschen zu erreichen, damit sie erkennen: Wir alle sind nur Menschen!

Copyright © All rights reserved. (c) carla pohl
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